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Unterwasser-Friedhof als Freizeitpark

Hier veröffentlicht am Montag, dem 01.03.10

Geplant sind 100.000 Gräber auf sechs Hektar Meeresgrund

Miami Beach/Florida. Die Vision des amerikanischen Künstler Gary Levine, vor der Küste von Florida einen Unterwasserfriedhof in Kombination mit einem Freizeitpark ins Leben zu rufen, hielten die meisten für verrückt, ihn selbst für durchgeknallt. Dass er sich auf dem besten Weg einer erfolgreichen Projektverwirklichung befindet und sich künftig wohl dumm und dusselig verdienen wird, ist ebenso unglaublich wie beeindruckend. Ob es am Ende auch abstoßend sein wird, hängt davon ab, inwieweit ihm mangelnde Nachfrage doch noch die Suppe versalzt.

Noch ist nur Bert Kilbridge im „Neptune Memorial Reef“ bestattet. Der Taucher und Schatzsucher starb im März im Alter von 93 Jahren. Die Urne mit seiner Asche steht drei Meilen vor der Küste auf einer der Säulen, die in 15 Meter Tiefe auf dem sandigen Grund des Atlantiks Romantikstimmung herbeizaubern soll. Gary Kilbridge, der 70 Jahre alte Sohn des Verstorbenen, ist sich sicher, dass sein Vater von dem Grab im geliebten Meer begeistert gewesen wäre. 50 weitere nasse Gräber sind mittlerweile verkauft worden. Es sollen einmal 100.000 sein, auf fast sechs Hektar Meeresgrund. Das Unternehmen bietet die See-Bestattungen zu Preisen zwischen 1000 und 6000 Dollar an. Für eine Erdbestattung müssen im Durchschnitt 7300 Dollar locker gemacht werden.

Die Idee für das „Neptun Memorial Reef“ kam Levine vor vier Jahren. Seitdem hat er zusammen mit seinem Freund Kim Brandell, dem Architekten des Unterwasserparks, zäh die Genehmigungen für das Vorhaben eingeholt, von mehr als einem Dutzend Behörden. Der Friedhof, im November 2007 eröffnet, liegt in einem Meeresschutzgebiet, in dem weder Fischfallen noch Harpunen verwendet werden dürfen. 30 Fischarten haben sich bereits dort angesiedelt. Die Tiere können sich nach Neptune-Angaben in Löchern und Nischen der Friedhofsbauten vor Fressfeinden verstecken, auf den rauhen Oberflächen setzten sich Korallen fest. Und jeder Tauchtourist, der sich an der Artenvielfalt am künstlichen Riff erfreue, vermindere den Umweltdruck auf die natürlichen Riffe anderswo.

Dazu Gary Levine: „Dies ist ein einzigartiger Friedhof. Im Grunde leben die Verstorbenen hier weiter, als Teil eines neuen Ökosystems.“ Noch zu beachten wäre: Wer hier zu den Fischen gehen und dennoch Besuch am Grab haben möchte, sollte bei Lebzeiten dafür sorgen, dass seine Lieben tauchen können.


Quelle: www.faz.net

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