Aktuellste Meldung
Unterwasser-Friedhof als Freizeitpark
Geplant sind 100.000 Gräber auf sechs Hektar Meeresgrund
Neue Veranstaltung
BIS ZULETZT - Neun Zwischenräume für Kunst, Kultur und Religion
Eine Ausstellung von Hartmut Kraft im Museum für Sepulkralkultur, Kassel
24 Stunden für Sie erreichbar!
(05 11) 957 857
Mumien – Körper für die Ewigkeit
Gemeinsame Ausstellung im Naturkundemuseum und im Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Das Naturkundemuseum und das Museum für Sepulkralkultur zeigen erstmals eine gemeinschaftliche Sonderausstellung: In „Mumien – Körper für die Ewigkeit“ werden in beiden Häusern tierische und vor allem menschliche mumifizierte Körper von natur- und kulturhistorischem Interesse in einer einmaligen Zusammenstellung zu sehen sein, kündigte am 15. Juni Bürgermeister Thomas-Erik Junge im Kasseler Naturkundemuseum an. Der Bürgermeister dankte in diesem Zusammenhang dem Vorstandsvorsitzenden der K+S AG, Norbert Steiner, für die finanzielle Unterstützung des Kasseler Unternehmens, durch die die Sonderausstellung erst möglich werde.
Mumien üben auf viele Menschen eine große Faszination aus. Bekannt sind sie vor allem aus dem altägyptischen Totenkult; dabei wird übersehen, dass es auch in anderen Kulturkreisen Mumien gab und gibt. Was versteht man genau unter Mumifizierung? Welche Geheimnisse kann die moderne Mumienforschung lüften? Welche Zufälle oder bewusste Praktiken führen zur Erhaltung von toten Körpern? Diese und weitere Fragen werden Gegenstand der Ausstellung sein.
Das Naturkundemuseum zeigt naturwissenschaftliche Hintergründe für die natürliche und zufällige Mumifizierung von Tieren wie auch die künstliche und intendierte Erhaltung menschlicher Körper in verschiedenen Kulturräumen. Herausragende Exponate dieses Ausstellungsstandortes sind Mumien aus Ägypten, Asien und Südamerika und deren Grabbeigaben. Eine weitere Besonderheit ist eine mehrere hundert Jahre alte Mumie der Guanchen, der Ureinwohner der Kanarischen Inseln. Medienstationen mit computertomographischen Aufnahmen geben Einblicke in die einstigen Lebensumstände der Verstorbenen, aber auch in unterschiedliche Mumifizierungstechniken. Das Naturkundemuseum verfügt über sechs eigene, zirka 300 Jahre alte Fötenmumien, die vom Mannheimer rem-Mumienforschungsprojekt aktuell untersucht und dokumentiert wurden. Diesen weltweit einzigartigen Objekten wird ein besonderer Abschnitt der Ausstellung gewidmet.
Im Museum für Sepulkralkultur liegt der Schwerpunkt auf der kulturhistorischen Bedeutung von Mumien. Beleuchtet wird ihr Stellenwert im Totenkult des Alten Ägypten, vor allem aber in Bezug auf das europäische Totenbrauchtum. Den Besucher erwarten deshalb nicht nur verschiedene Ägyptica, sondern auch Mumien aus bekannten europäischen Kirchen- und Klostergrüften, darunter aus dem ungarischen Vac. Ihnen werden zudem natürlich konservierte Tote aus Mooren gegenübergestellt, wie etwa die Frau von Zweelo, eine aus dem 2./3. Jh. n. Chr. stammende, aber erst 1951 aufgefundene Moorleiche. Weitere Exponate der Ausstellung sind Kryonikapparaturen, als ein Beispiel für heutige Möglichkeiten, den toten Körper zu erhalten, ergänzt durch kunstgeschichtliche Motive von der Sehnsucht nach dem ewigem Leben.
Die Realisierung der Ausstellung im Naturkundemuseum und im Museum für Sepulkralkultur hat inhaltliche wie lokale Gründe: Das über 400 Jahre alte Ottoneum war im frühen 18. Jahrhundert Sitz des „Collegium Carolinum“ und diente unter anderem als Ausbildungsstätte für Hebammen und Ärzte. Es gab einen Anatomiesaal, in dem Sektionen durchgeführt und anatomische Präparate angefertigt oder als Lehrobjekte verwendet wurden. Aus dieser Zeit sind die Fötenmumien erhalten. Zwei weitere indianische Mumien dieser Sammlung, zuletzt 1785 urkundlich erwähnt, sind nicht erhalten geblieben. Angesichts dessen stellt das Ottoneum einen historischen und authentischen Ort für das Zeigen von Mumien dar. Das Museum für Sepulkralkultur widmet sich allen kulturellen Erscheinungen im Zusammenhang mit Sterben, Tod, Bestattung und Gedenken und zeigt somit auch die Kontinuität und den Wandel im Umgang mit den „letzten Dingen“. Als das deutschlandweit einzige Museum zu diesem Themenspektrum bildet es einen inhaltlich geeigneten Hintergrund für eine kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Mumien“. Nicht zuletzt gehören zum Sammlungsbestand des Museums die ursprünglich in einer Gruft beigesetzten Särge einer Adelsfamilie, aus denen die Verstorbenen als Mumien geborgen, kurz danach jedoch eingeäschert wurden.
Die Ausstellung basiert auf der 2008 gezeigten Sonderschau „Mumien – der Traum vom Ewigen Leben“ der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim und wird an den beiden Kasseler Ausstellungsstandorten um verschiedene Fragestellungen und Aspekte erweitert.

