Kondolenzratgeber

Der Tod eines Menschen erzeugt Trauer und Betroffenheit. Verwandte, Freunde, Kollegen, Nachbarn trauern mit den direkten Hinterbliebenen und möchten ihnen ihre Anteilnahme und ihr Mitgefühl ausdrücken. Sie möchten kondolieren (vom lateinischen „con-dolere“ = „mitfühlen“). Doch der Tod eines Menschen macht oft auch sprachlos, hilflos. Ob im persönlichen Gespräch oder im Kondolenzbrief: Die richtigen Worte zu finden, ist oft schwer. Dieser kurze Ratgeber will dabei helfen.

Schriftlich zu kondolieren ist eine gute Möglichkeit, den Hinterbliebenen das eigene Mitgefühl auszusprechen. Ein Brief, eine Karte oder der Eintrag auf einer Gedenkseite sind hier mögliche Wege. Die Hinterbliebenen können ihre Worte in aller Ruhe lesen, wenn sie die Zeit und Kraft dazu haben. Sie können so – auch immer wieder – lesen, dass sie in der Trauer um den Verstorbenen nicht alleine sind. Vielen Hinterbliebenen spendet es Trost, wenn sie auf diese Weise erfahren, wie wichtig der Verstorbene den Mittrauernden war und dass er nicht vergessen wird.

Die richtigen Worte finden

Einen Kondolenzbrief zu verfassen, bereitet auch sehr wortgewandten Menschen oftmals Schwierigkeiten. Sie wissen partout nicht, was Sie schreiben, welche Worte Sie wählen sollen?

Leichter fällt es, wenn Sie sich dafür bewusst Zeit und Ruhe gönnen. Erinnern Sie sich an den Verstorbenen. Was hat er für Sie bedeutet? Was hat diese besondere Verbundenheit getragen? Gibt es besondere, wichtige oder schöne Momente mit dem Verstorbenen, an die Sie sich gern erinnern? Vielleicht ist es auch eine amüsante Anekdote, die Ihnen in den Sinn kommt.

Sie wollen die Hinterbliebenen wissen lassen, dass auch Sie um den Verstorbenen trauern, Ihr Mitgefühl vermitteln. Am besten gelingt das, wenn Sie folgendes beachten:

  • Schreiben Sie in einfachen, ehrlichen Worten, was Sie fühlen. Ganz ohne Pathos. So, wie Sie auch sprechen.
  • Wenn Ihnen die Worte fehlen, wenn der Tod sie völlig sprachlos macht, dann schreiben Sie genau das.
  • Vermeiden Sie Floskeln und Klischees (wie „Das Leben geht weiter“).
  • Verwenden Sie Zitate aus der Literatur nur, wenn Sie selbst hinter der Aussage des Textes stehen.
  • Verwenden Sie religiöse Formulierungen und Zitate aus heiligen Schriften (wie der Bibel oder dem Koran) nur, wenn der Verstorbene und die Hinterbliebenen diese religiösen Vorstellungen teilen.
  • Wie persönlich und ausführlich ein Kondolenzbrief sein kann, hängt auch davon ab, wie gut Sie den Verstorbenen und die Hinterbliebenen kannten bzw. kennen.
  • Im Zweifelsfall gilt: Weniger ist (fast immer) mehr!

Wie Sie die Hinterbliebenen ansprechen, hängt – wie der gesamte Stil Ihres Schreibens – davon ab, wie nahe Sie dem Verstorbenen und den Hinterbliebenen standen bzw. stehen:

Liebe Julia, lieber Robert, lieber Onkel Heinz …
Liebe Familie Jensen …
Liebe Frau Petzold …
Sehr geehrter Herr Schulze …
Sehr geehrte Frau Dr. Müller …

Beginnen Sie Ihren Brief direkt mit dem Anlass des Schreibens:

Mit Bestürzung habe ich vom Tod Deines Bruders erfahren …
Es schmerzt mich sehr, einen guten Freund zu verlieren …
Wir können es noch nicht fassen, dass Deine Mutter uns für immer verlassen hat …
Ich kann es immer noch nicht glauben, dass …
Mit großem Bedauern habe ich heute vom Tode Ihres Sohnes erfahren …
Zum Tode Ihrer Frau sprechen wir Ihnen unser Mitgefühl aus …

Welche Eigenschaften des Verstorbenen fallen Ihnen ein, die Ihnen wichtig sind, die Sie geschätzt haben? Was wird Ihnen fehlen? Hier können Sie auch besondere Vorlieben erwähnen oder Ereignisse und gemeinsame Erlebnisse, die Sie mit dem Verstorbenen geteilt haben. Gerade solche kurzen persönlichen Erinnerungen können den Hinterbliebenen Trost schenken:

Wer ihn erleben durfte, war von seiner herzlichen Art und seiner großen Hilfsbereitschaft beeindruckt …
Wir können kaum ermessen, was für einen Verlust ihr Tod für Ihre Familie darstellt …
Sein Optimismus und Humor wird uns schmerzlich fehlen …
In den langen Jahren der Zusammenarbeit haben wir nicht nur seine fachliche Kompetenz und sein Engagement, sondern auch seine Geduld und großes Einfühlungsvermögen sehr zu schätzen gelernt …
Wir sind dankbar für all die Jahre, die er sich mit seinem Wissen und Können so leidenschaftlich für unseren Verein engagiert hat und werden die Arbeit in seinem Sinne fortführen …
Wir alle werden uns dankbar an ihn erinnern …
Ich erinnere mich noch genau, wie er mich zu meinem ersten Konzert von … mitnahm …
Wenn ich meine Gitarre ansehe, muss ich daran denken, wie er mir die ersten Akkorde beibrachte …

Wenn es Ihnen nicht möglich ist bzw. war, an der Trauerfeier teilzunehmen, können Sie das auch ansprechen:

Leider habe ich erst nach meiner Rückkehr vom tragischen Tod erfahren …
Die aktuelle berufliche Situation erlaubt es mir leider nicht, an der Trauerfeier teilzunehmen …

Zum Abschluss können Sie den Hinterbliebenen Ihre Hilfe und Beistand anbieten:

Ich bin jederzeit für Dich und die Kinder da …
Wenn ich Euch in dieser schweren Zeit beistehen kann, lasst es mich wissen …
Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um Sie in dieser schweren Zeit zu unterstützen …

Den Kondolenzbrief beenden Sie am besten mit einem kurzen Satz des Mitgefühls:

Ich bin in Gedanken bei Euch …
Wir wünschen Dir und Deiner Familie, die Kraft, die Ihr jetzt braucht, um ohne Sabine leben zu können …
Sei umarmt …
Wir fühlen mit Ihnen …
In tiefer Trauer …
Wir werden Ihrem Mann ein ehrendes Andenken bewahren …
Mit stillem Gruß …

Die Trauer – Eine Ausnahmesituation

Die Trauer um einen geliebten und geschätzten Mitmenschen reißt Menschen abrupt aus ihrem Alltag. Die Psychologin Verena Kast hat die verschiedenen Empfindungen Trauernder in einem Vier-Phasen-Modell zusammengefasst.

Wenn ein Mensch eine Todesnachricht erhält, löst diese oft einen Schock aus, der einen kurzen Moment, aber auch einige Tage dauern kann. Man möchte die Nachricht nicht wahrhaben. Manchmal treten auch körperliche Zeichen wie Herzrasen oder Appetitlosigkeit auf.

Auf den ersten Schrecken folgt dann die Phase der heftigen Gefühle, die intensiv und unvermittelt aufbrechen: Trauer, Einsamkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung, aber auch Wut. Gerade, wenn der Tod einen schweren Leidensweg beendet hat, empfindet man auch Erleichterung. Dieses Gefühl der Erleichterung und der Gedanke, zu Lebzeiten des Verstorbenen etwas versäumt zu haben, lösen manchmal auch Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen aus.

In der dritten Phase werden die Emotionen weniger plötzlich und man beginnt sich bewusster an den Verstorbenen zu erinnern. Man hört bestimmte Musik, besucht besondere Orte, die an den Verstorbenen erinnern. Manche führen auch stumme Gespräche, um bei ungelösten Themen und Problemen zu einem Abschluss zu finden. Zuletzt wird der Tod des Verstorbenen als Realität angenommen, akzeptiert. Man kann wieder nach vorne blicken, die eigene Zukunft gestalten.

Die große Bekanntheit dieses Trauerphasenmodells kann für Trauernde leider zu zusätzlicher Last führen. Denn ein solches Modell verleitet zu der Annahme, dass Trauer „genau so abzulaufen habe“ und jedes andere Gefühl, jeder andere Verlauf der Trauer „nicht richtig“ sei. Die Trauernden spüren die Erwartungshaltung. Sie fühlen sich leicht unter Druck gesetzt, „richtig trauern“ zu müssen. Sie täuschen manchmal gar Reaktionen und Gefühle vor, um den Erwartungen ihrer Mitmenschen zu entsprechen. So geraten Trauernde in die Gefahr, sich von ihren Mitmenschen verlassen zu fühlen, statt durch Mitgefühl und Anteilnahme Trost und Halt zu erfahren.

Auch der Begriff der „Trauerarbeit“ trägt dazu bei, Angehörigen die Trauerzeit zu erschweren, weil er irreführend ist. Trauer ist keine „Arbeit“ die – am besten „in der richtigen Reihenfolge“ – „geleistet“ werden muss. Trauer ist ein natürlicher Prozess, den jeder Mensch in seiner individuellen Form durchlebt. Trauer kommt nicht in Phasen, sondern in Wellen, in denen der Hinterbliebene in seinen Gefühlen und Bedürfnissen mal die eine „Phase“, mal die andere durchlebt. Wer kurz nach einem Todesfall auch einmal herzlich lacht, verdrängt nicht „unnatürlich“ seine Trauer, sondern verschafft seiner Psyche eine nötige Pause vom Schmerz.

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