Der lange Abschied

Demenz und Trauer

Unsere Gesellschaft altert zunehmend. Entsprechend wächst die Zahl der demenziell erkrankten Menschen. Zu den großen Herausforderungen, die dies mit sich bringt, gehört auch die Entwicklung neuer Formen der Trauerarbeit und Trauerbewältigung.

Das Fortschreiten demenzieller Erkrankungen wie zum Beispiel der Alzheimer-Demenz ist gekennzeichnet durch den fortwährenden Verlust kognitiver Fähigkeiten, zum Beispiel das Erinnerungsvermögen. Zunehmend zerfällt die Persönlichkeit des Erkrankten, während die physischen Fähigkeiten, etwa die Mobilität, noch lange weitestgehend intakt bleiben. 

Pflegende Angehörige erleben diese Verluste aus nächster Nähe und jeden Tag erneut mit – und leiden selbst stark unter der Belastung, dass der Kranke zwar physisch anwesend ist, sich aber psychisch immer weiter entfernt. Und damit geht auch immer mehr das zu Grunde, was die demenzkranke Person für den pflegenden Angehörigen vielleicht schon viele Jahrzehnte lang bedeutet hatte: Partner sein, Gefährte sein, Vorbild sein … Diese Beziehungsverluste, verbunden mit Gefühlen von Hilflosigkeit, Kummer, Wut und Schuld können Trauerreaktionen hervorrufen, die in ihrer Art und Tiefe mit der Trauer nach einem Todesfall gleichzusetzen sind.

Demenzkranke trauern anders

Je weiter ihre Krankheit fortschreitet, desto mehr verlieren Demenzpatienten den Zugang zu ihrer alltäglichen Umgebung; das Erinnerungsvermögen schwindet, selbst vertraute Personen werden nicht mehr erkannt oder mit anderen verwechselt. Das wirft für die betreuenden Angehörigen viele Fragen auf. Wie sollen sie sich zum Beispiel verhalten, wenn eine dem Kranken nahestehende Bezugsperson stirbt, vielleicht ein Familienmitglied oder ein alter Freund?

Grundsätzlich sind an Demenz erkrankte Personen grundsätzlich zu Trauer fähig. Im frühen Krankheitsstadium zeigen sie ganz normale Trauerreaktionen. Und auch wenn die kognitiven Fähigkeiten mehr und mehr vergehen, bleibt doch das Erleben eines emotionalen Schmerzes oder das Gefühl, dass „etwas nicht in Ordnung ist“ erhalten. Vielfach verhalten sich die Erkrankten dann unruhig, erregt oder verstört und verängstigt. Doch es kommt auch vor, das Trauerreaktionen scheinbar völlig ausbleiben. Feste Regeln, wie man Demenzkranken die Nachricht vom Tod vertrauter Personen nahebringt, gibt es nicht. Natürlich haben sie aus ethischer Sicht ein Anrecht darauf, von dem Verlust zu erfahren. Doch sicherlich wäre es grausam und unsensibel, ihnen wiederholt von dem Todesfall zu berichten und sie so wieder und wieder zu traumatisieren.

Beratung und Hilfe

Im Rahmen unserer Trauerbegleitung bieten wir auch pflegenden Angehörigen von demenziell erkrankten Menschen die Möglichkeit zum Einzelgespräch mit unseren fachlich geschulten Mitarbeiterinnen.

Umfassender ist das Begleit- und Beratungsangebot der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. und ihrer Mitgliedsgesellschaften; die Kontaktinfos finden Sie hier auf der Seite.

Kontakt

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und ihre Mitgliedsgesellschaften sind Selbsthilfeorganisationen. Sie setzen sich bundesweit für die Verbesserung der Situation der Demenzkranken und ihrer Familien ein.

Die Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen e.V. und die Alzheimer Gesellschaft Hannover e.V. haben beide ihren Sitz in der Osterstraße 27, 30159 Hannover.