Hilfe auf dem Weg der Trauer: Die Thanatopraxie

Immer häufiger möchten Angehörige von ihrem Verstorbenen am offenen Sarg Abschied nehmen. Das kann dazu beitragen, mit dem erfahrenen Verlust besser umzugehen, weiß die Geprüfte Thanatopraktikerin Carolin Metzke.

So gut wie immer wird es von den Hinterbliebenen als hilfreich und tröstlich empfunden, wenn sie sich im Moment des Abschieds den Verstorbenen noch einmal bildhaft vergegenwärtigen können. Als Bestattungsfachkraft weiß ich, dass die Hinterbliebenen in dieser für sie so schweren Situation ein großes Bedürfnis haben, ein letztes Mal mit dem würdig, in friedvoller Ruhe aufgebahrten Toten zusammenzukommen. Bei der Totenversorgung ist es daher mein Ziel, ein Bild des Verstorbenen zu schaffen, dass die Angehörigen im wahrsten Sinne des Wortes annehmen können. Damit dies auch beim Tod nach langer und schwerer Krankheit oder bei Unfallopfern gelingt, können heutzutage die Möglichkeit des Modern Embalming und der restaurativen Thanatopraxie angewendet werden.

Dienst am Verstorbenen und den Hinterbliebenen zugleich

Den Abschied zu leben – das ist die große Aufgabe, die Hinterbliebene zu bewältigen haben; ihnen diese Bürde zu erleichtern: Das sehe ich als meine Aufgabe an. Indem ich mit viel Ehrfurcht vor dem Leben und dem Tod daran gehe, dem Verstorbenen einen möglichst lebensnahen, friedvollen Ausdruck zu verleihen, versuche ich, den Hinterbliebenen den Moment des Zusammenkommens mit dem Verstorbenen zu erleichtern. Ein letzter Blick, eine letzte Berührung werden so als wohltuende Hilfe auf dem Weg der Trauer empfunden und tragen dazu bei, das dankbare Erinnern an eine gemeinsame Lebenszeit zu vertiefen.

Fundierte, breit gefächerte Ausbildung

Die Abschiednahme am offenen Sarg, in vielen angelsächsischen Ländern noch weitaus verbreiteter als bei uns, ist zum Beispiel in den USA eine ganz üblicher Teil der Bestattungsfeierlichkeiten. Meine Ausbildung zur Thanatopraktikerin habe ich deshalb teilweise in Boston, der Hauptstadt des US-amerikanischen Bundesstaates Massachusetts, absolviert, die Prüfung dann beim Deutschen Institut für Thanatopraxie (DIT) in Münnerstadt und Düsseldorf abgelegt. Die sehr fundierte und breit gefächerte Ausbildung umfasst die Methoden des sogenannte Modern Embalming. So wird durch ein Dialyseverfahren der körperliche Verfall des Leichnams für eine begrenzte Zeit zum Stillstand gebracht. Bei einer Überführung vor allem in südliche Länder ist dies sogar vielfach behördlich vorgeschrieben.

Aufbahrung in der Trauerfeierhalle

Während meiner Zeit in den USA habe ich vielfach erfahren können, was für ein hilfreiches Ritual die Aufbahrung im offenen Sarg für die Familie und Freunde des Verstorbenen doch sein kann. Denn der bewusste gemeinsame Abschied spendet Trost und lässt die Trennung verständlicher werden. Auch im Hause Wiese bieten wir darum die Möglichkeit zum stillen, würdevollen Abschied in unserem Abschiedsraum und der größeren Trauerfeierhalle.