Erben und Vererben

Digitaler Nachlass

Das eigene Erbe regeln – so mancher schiebt dieses Thema schon seit langem vor sich her. Verständlich, aber nicht allzu vernünftig: Denn wenn kein Testament oder eine andere letztwillige Verfügung vorhanden ist, greift die gesetzliche Erbfolge. Und die entspricht womöglich gar nicht den eigenen Wünschen und kann unter Umständen zu erheblichen Streitigkeiten unter den Erben führen. 

Auch wenn keine besonderen Vermögenswerte vorhanden sind: Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, sich über die gesetzlichen Regelungen und die unterschiedlichen Arten der Vermögensübertragung zu informieren. Man vermeidet Ärger und unnötige Kosten – und hat das gute Gefühl, seine Verhältnisse geordnet zu haben.

Für den Fall, dass kein Testament vorliegt, sieht das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eine bestimmte Reihenfolge und Rangordnung der Erbberechtigten vor. Die Erben erster Ordnung sind sämtliche vom Erblasser abstammenden Personen, also die (ehelichen, nichtehelichen und adoptierten) Kinder, Enkel und Urenkel. Sie erben vorrangig vor den Erben zweiter Ordnung; zu ihr gehören Eltern und Geschwistern des Erblassers. Da Ehegatten und Lebenspartner ja nicht mit dem Erblasser verwandt sind, gelten für sie besondere Regelungen. Grundsätzlich erbt der überlebende Partner neben Verwandten der ersten Ordnung ein Viertel des Nachlasses, neben Verwandten der zweiten Ordnung die Hälfte. Beim Güterstand der Zugewinngemeinschaft erhöht sich allerdings das Erbe des überlebenden Ehegatten um ein weiteres Viertel.

Der Erblasser kann seine Erben und deren Anzahl frei und ohne Berücksichtigung der gesetzlichen Erbfolge bestimmen, vorausgesetzt, es handelt sich um Menschen oder juristische Personen (Vereine, Gesellschaften, Stiftungen). Tiere können nicht als Erbe eingesetzt werden.

Der Erblasser hat das Recht, zum Beispiel ungeliebte Verwandte von der Erbfolge auszuschließen, wobei allerdings Abkömmlinge, Eltern, sowie der Ehegatte des Erblassers Anspruch auf den ihnen zustehenden Pflichtteil haben. Das gilt auch, wenn der Erblasser zum Beispiel seinen Fußballverein oder eine Stiftung zum Alleinerben bestimmt. 

Die gesetzliche Erbfolge gilt auch für Alleinstehende. Wenn sie nicht möchten, dass weit entfernte Verwandte oder gar der Fiskus erben sollen, sollten auch sie eine testamentarische Verfügung aufsetzen, zum Beispiel zugunsten guter Freunde oder Nachbarn.

Vererben lässt sich immer nur der gesamte Nachlass, nicht aber einzelne Sachen. Durch ein Vermächtnis hat indes der Erblasser die Möglichkeit, testamentarisch konkrete Sachen aus der Gesamtheit der Erbmasse herauszulösen. Dabei kann es sich um Dinge, Geldbeträge oder um einen Nießbrauch (zum Beispiel Wohnrecht oder Mieteinkünfte) handeln. Ein Vermächtnis kann an Bedingungen geknüpft oder befristet sein. Der Empfänger eines Vermächtnisses – zum Beispiel die Nachbarin, der ein Schmuckstück vermacht wurde – gehört nicht zu den Erben. Die Erben sind verpflichtet, das Vermächtnis gegenüber dem Vermächtnisempfänger zu erfüllen.

Das sogenannte eigenhändige oder privatschriftliche Testament muss vom Erblasser selbst vollständig handschriftlich verfasst und mit vollem Namen unterschrieben sein. Wichtig ist auch das Erstellungsdatum, damit bei mehreren Testamenten das zeitlich jüngste und damit gültige festgestellt werden kann. Bei einem gemeinschaftlichen Testament zweier Ehegatten oder eingetragener Lebenspartner genügt es, wenn eine Person das Testament handschriftlich abfasst und beide unterschreiben. Das privatschriftliche Testament ist auf jeden Fall ungültig, wenn es zum Beispiel diktiert oder am Computer erstellt wurde. Das gilt auch dann, wenn man sich zur Abfassung hat anwaltlich beraten lassen.

Die Alternative zum eigenhändigen ist das öffentliche Testament, das man bei einem Notar erstellt. Der Notar berät den Erblasser umfassend, protokolliert dessen Willen und sorgt für die sichere Aufbewahrung. Bei einem Erbvertrag ist das notariell beurkundete Testament sogar zwingend erforderlich. Der Notar ist gesetzlich dazu angehalten, in der Testamentsurkunde die Geschäftsfähigkeit des Erblassers festzustellen. In Zweifelsfällen kann ein medizinischer Sachverständiger hinzugezogen werden. 

Das sogenannte Berliner Testament ist das gemeinschaftliche Testament zweier Ehegatten oder Lebenspartner, in dem sie sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und festlegen, dass mit dem Tod des zuerst Verstorbenen der Nachlass an den Überlebenden fällt. Die Abkömmlinge (Kinder und Enkel) werden damit nach dem Tod des Erstversterbenden von der Erbfolge ausgeschlossen, sie erben dann also erst nach dem Tod des Längerlebenden. Diese Option wird zum Beispiel dann häufig gewählt, damit gemeinsam erworbener Grundbesitz oder andere große Vermögenswerte nicht veräußert werden müssen, um Erbansprüche der Kinder zu befriedigen. Das gemeinsame Testament wird ungültig, wenn die Ehe vor dem Tod eines Erblassers geschieden wird.

Eine Alternative zum Testament ist der Erbvertrag. Er wird zwischen mindestens zwei Parteien geschlossen, und die darin getroffenen Vereinbarungen sind grundsätzlich bindend, können also im Regelfall nicht wie beim Testament widerrufen werden. Ein Erbvertrag wird häufig dann abgeschlossen, wenn die Sicherung eines Erbes per Testament oder gesetzlicher Erbfolge nicht möglich ist; etwa bei der Absicherung von Kindern nicht verheirateter Partner aus verschiedenen Ehen oder um einer Person, die dafür eine Gegenleistung erbringt, ein Erbe vertraglich zu garantieren. Der Erbvertrag darf nicht mit dem Erbschaftsvertrag verwechselt werden. Dieser soll eine vorgezogene Auseinandersetzung zwischen künftigen gesetzlichen Erben ermöglichen.

Sowohl handschriftliche als auch notarielle Testamente können jederzeit widerrufen werden. Allerdings fallen bei der Neueinrichtung eines notariellen Testaments jedes Mal die vollen Kosten an.

Die Regelungen in einem Erbvertrag können demgegenüber grundsätzlich nicht widerrufen werden.

 

Sein Testament privat zu Hause aufzubewahren kann immer nur die zweitbeste Lösung sein. Denn es besteht immer das Risiko, dass es übersehen oder schlichtweg nicht aufgefunden wird (weil es zum Beispiel „zu gut“ versteckt worden war). Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein zugänglich in der eigenen Wohnung aufbewahrtes Testament absichtlich unterschlagen oder vernichtet wird – weil beispielsweise ein Erbe mit den Verfügungen nicht einverstanden ist. Die sichere Lösung ist daher die öffentliche Verwahrung beim Amtsgericht oder beim Notar.

Fachkundige Beratung ist sinnvoll

Das Erbrecht ist eine überaus komplexe Materie mit vielen Fußangeln und Stolpersteinen. Nicht ohne Grund stellen sich viele von Laien verfasste Testamente im Nachhinein als fehlerhaft und damit ungültig heraus. Dann greift die gesetzliche Erbfolge – auch wenn sie überhaupt nicht den Intentionen des Erblassers entspricht. Wer Wert darauf legt, dass sein Letzter Wille präzise umgesetzt wird, sollte anwaltlichen oder notariellen Rat suchen.

Eine aktuelle Broschüre des Bundesjustizministeriums mit ausführlichen Informationen zum Thema Erben und Vererben können Sie hier kostenfrei aus dem Internet herunterladen oder per Post bei dieser Adresse bestellen: Publikationsversand der Bundesregierung; Postfach 48 10 09; 18132 Rostock.

Wir beraten Sie gerne:

Fragen und Antworten rund um das Erbe.
Wir beraten Sie unabhängig über alle unterschiedlichen Möglichkeiten und helfen Ihnen dabei, die für Sie optimale Lösung zu finden.

Online-Accounts auflösen
– aber wie?
Informationen zur
rechtlichen Vorsorge