Nach einem Trauerfall zurück ins Arbeitsleben finden
Nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen stehen viele Trauernde vor der Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Rückkehr an den Arbeitsplatz? Und wie gelingt der Spagat zwischen beruflichen Anforderungen und dem eigenen Trauerprozess?
Die Rückkehr ins Arbeitsleben – ein individueller Prozess
Es gibt keine Patentlösung für den richtigen Zeitpunkt der Rückkehr. Während manche Menschen Struktur und Ablenkung im Arbeitsalltag als hilfreich empfinden, benötigen andere mehr Zeit für sich. Wichtig ist: Trauer lässt sich nicht nach Zeitplan verarbeiten. Die Rückkehr zur Arbeit bedeutet nicht, dass die Trauer vorbei ist – sie verläuft nicht linear und kann in Wellen kommen, auch Monate später.
Manche Menschen kehren bereits nach wenigen Tagen zurück und erleben die Routine als stabilisierend. Andere brauchen Wochen oder Monate. Beides ist in Ordnung. Hören Sie auf Ihr Gefühl und setzen Sie sich nicht unter Druck.
Doppelbelastung durch administrative Aufgaben
Neben der emotionalen Belastung kommen oft noch rechtliche und administrative Pflichten hinzu: Nachlassverwaltung, Behördengänge, Fristen. Diese zusätzlichen Aufgaben können überfordernd sein, wenn man gleichzeitig versucht, im Arbeitsalltag zu funktionieren. Auch finanzielle Sorgen – etwa durch den Verlust eines Zweiteinkommens oder wegfallende Versicherungsleistungen – verstärken den Druck.
Viele Trauernde unterschätzen, wie zeitaufwendig die Regelung eines Nachlasses sein kann. Termine bei Ämtern lassen sich oft nicht außerhalb der Arbeitszeit legen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arbeitgeber über diese Verpflichtungen – die meisten Unternehmen zeigen Verständnis.
Offene Kommunikation hilft
Ein Gespräch mit Vorgesetzten kann entlastend wirken. Teilen Sie mit, was Sie brauchen: flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten oder zunächst reduzierte Stunden. Auch Kollegen sind oft unsicher im Umgang mit der Situation. Wenn Sie signalisieren, was Ihnen guttut – ob Sie offen über den Verlust sprechen möchten oder lieber ungestört arbeiten wollen – erleichtern Sie allen den Umgang.
Es kann hilfreich sein, schon vor der Rückkehr ein kurzes Gespräch mit der Führungskraft zu vereinbaren. Besprechen Sie, wie Ihr Team informiert werden soll und welche Erwartungen Sie an sich selbst haben. Machen Sie deutlich, dass Sie möglicherweise nicht sofort Ihre volle Leistung erbringen können – und dass das vollkommen normal ist.
Leistungseinbußen sind normal
Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, Erschöpfung und geringere Belastbarkeit sind typische Begleiterscheinungen von Trauer. Das ist keine Schwäche, sondern eine natürliche Reaktion auf eine extreme Belastung. Setzen Sie sich realistische Ziele und erlauben Sie sich, Grenzen festzulegen.
Trauer ist der stärkste Stress, den ein Mensch erleben kann. Ihr Gehirn arbeitet auf Hochtouren, um den Verlust zu verarbeiten – da bleibt weniger Kapazität für Routineaufgaben. Seien Sie nachsichtig mit sich selbst. Mit der Zeit wird es besser.
Hilfreich kann es sein, wichtige Aufgaben schriftlich festzuhalten, Pausen bewusst einzuplanen und sich bei komplexen Projekten Unterstützung zu holen. Viele berichten, dass bereits der stufenweise Wiedereinstieg – zunächst mit wenigen Stunden pro Tag – eine große Erleichterung darstellt.
Was Unternehmen tun können
Flexible Arbeitszeitmodelle, psychologische Beratungsangebote oder Trauerbegleitung am Arbeitsplatz können wertvolle Unterstützung bieten. Ein offenes Betriebsklima, in dem Trauer nicht tabuisiert wird, hilft allen. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden in solch schwierigen Lebensphasen unterstützen, profitieren langfristig von höherer Loyalität und Motivation.
Fragen Sie nach, welche Unterstützungsmöglichkeiten in Ihrem Unternehmen bestehen – oft gibt es mehr Spielraum, als man denkt.
Professionelle Hilfe annehmen
Falls Sie merken, dass Sie Unterstützung brauchen, zögern Sie nicht. Trauerbegleitung kann helfen, wieder Tritt zu fassen – beruflich wie privat. Geschulte Trauerbegleiter hören zu, ohne zu bewerten, und geben Ihnen Raum für Ihre Gefühle. Sie können Ihnen auch konkrete Strategien an die Hand geben, wie Sie Trauer und Alltag besser vereinbaren können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann sollte ich nach einem Trauerfall wieder arbeiten gehen?
Es gibt keinen „richtigen“ Zeitpunkt – dieser ist höchst individuell. Manche Menschen kehren nach wenigen Tagen zurück und finden Halt in der Routine, andere brauchen mehrere Wochen. Hören Sie auf Ihr Gefühl und sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über flexible Lösungen wie einen stufenweisen Wiedereinstieg.
Wie gehe ich mit Leistungseinbußen am Arbeitsplatz um?
Konzentrationsschwierigkeiten und Erschöpfung sind nach einem Trauerfall völlig normal. Kommunizieren Sie offen mit Ihrem Vorgesetzten, setzen Sie sich realistische Ziele und gönnen Sie sich regelmäßige Pausen. Mit der Zeit wird Ihre Leistungsfähigkeit zurückkehren – seien Sie geduldig mit sich selbst.
Muss ich meinen Kollegen von meinem Verlust erzählen?
Das entscheiden Sie selbst. Manche Menschen möchten offen über ihren Verlust sprechen, andere bevorzugen Privatsphäre. Wichtig ist, dass Sie Ihrem direkten Vorgesetzten Bescheid geben, damit dieser angemessen reagieren kann. Sie können selbst bestimmen, wie viel Information Sie mit dem Team teilen möchten.
Welche Unterstützung kann ich von meinem Arbeitgeber erwarten?
Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Viele Arbeitgeber bieten flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten oder einen stufenweisen Wiedereinstieg an. Manche haben auch psychologische Beratungsangebote oder vermitteln Kontakte zu Trauerbegleitern. Fragen Sie aktiv nach den Möglichkeiten in Ihrem Betrieb.
Wo finde ich professionelle Trauerbegleitung?
Bei Wiese Bestattungen bieten wir Ihnen unterschiedliche Formen der Trauerbegleitung, von Einzelgesprächen und Trauergruppen bis zu unserem Trauercafé und unterstützen Sie dabei, wieder zurück ins Leben zu finden – beruflich wie privat.